Mit dem Tod der 77-jährigen Schriftstellerin verliert die kroatische Literatur eine ihrer mutigsten Stimmen.
Die Nachricht vom Ableben der Autorin hat uns zutiefst erschüttert. Noch vor einem Dreivierteljahr hatten wir (Tatjana Petzer und Dagmar Gramshammer-Hohl) Gelegenheit, mit dieser starken Frau und beeindruckenden Künstlerin ein Interview über das Älterwerden und seine Darstellung in der Literatur zu führen. An der Konferenz „SEE Aging Graz: Transforming Representations of Aging in Southeast European Literature and Film“, zu der wir sie geladen hatten, konnte sie aus gesundheitlichen Gründen leider nicht persönlich teilnehmen. Die Vorführung der Videoaufnahme unseres Gesprächs im Rahmen der Konferenz bleibt jedoch ein unvergessliches Erlebnis: Mit ihrer Ausstrahlung und ungemeinen Präsenz schien sie nicht auf der Leinwand, sondern direkt bei uns im Raum zu sein.
Slavenka Drakulić hat der Weltliteratur ein umfangreiches und vielfach ausgezeichnetes Werk geschenkt, in dem sie eindringlich und couragiert gegen Nationalismus, Diskriminierung und gesellschaftliche Tabus aller Art anschrieb. Ihre Perspektive war dabei stets die einer kämpferischen Feministin, die sich darum bemühte, die Anliegen und Erfahrungen von Frauen sichtbar zu machen – so auch in ihrem letzten Erzählband O čemu ne govorimo (Worüber wir nicht sprechen, 2024). Liebe Slavenka, danke dafür!
Wir sind in Gedanken bei der Trauerfamilie.