Voices of Resilience: Exploring Agency in Contemporary Slavic Poetry
Das Projekt Voices of Resilience befasst sich mit der Untersuchung von Agency und Resilienz in zeitgenössischer Lyrik aus der Ukraine, Belarus, Polen und Bosnien.
Das von der Gerda Henkel Stiftung geförderte Projekt Voices of Resilience: Exploring Agency in Contemporary Slavic Poetry untersucht die Konstruktion von Agency in zeitgenössischer slawischer Lyrik, insbesondere im Kontext von Flucht, Vertreibung und Kriegserfahrungen.
Vor dem Hintergrund der russischen Invasion 2022 sowie der bereits 2014 einsetzenden Kriegsereignisse zeigten die Menschen in der Ukraine ein beispielloses Maß an Agency und Subjektivität, die auch literarisch verhandelt werden. Das Projekt analysiert, wie lyrische Subjekte in Gedichten Handlungsfähigkeit artikulieren und wie poetische Praktiken Resilienz unter extremen Bedingungen fördern. Ein besonderes Augenmerk liegt auf weiblichen oder weiblich konnotierten poetischen Figuren, da viele der durch Krieg und Gewalt Vertriebenen Frauen sind, deren Schreiben, Sprechen und literarisches Handeln als spezifische Form von Agency analysiert werden kann.
Ergänzend wird ein komparativer Ansatz verfolgt, der Erfahrungen von Vertreibung in der Lyrik aus Belarus, Polen und Bosnien untersucht, um ein differenziertes Bild von Agency und Resilienz im Kontext der slawischen Literaturen zu gewinnen.
Im Projekt arbeiten die Slawistinnen Mariya Donska (Projektleitung, Post-Doc), Julia Jahn (Doktorandin) und Anna Gierlinger (studentische Mitarbeiterin).
Agency in der ukrainischen Gegenwartslyrik: Projektvorstellung auf der BASEES 2026
Am 12. April 2026 präsentierte Projektleiterin Dr. Mariya Donska die ersten Forschungsergebnisse des Projekts „Voices of Resilience“ auf der jährlich stattfindenden Konferenz der British Association for Slavonic and East European Studies (BASEES) an der University of Birmingham.
In ihrem Vortrag stellte Mariya Donska die Bedeutung von Agency in der zeitgenössischen ukrainischen Lyrik in den Mittelpunkt und zeigte auf, wie Poesie in der Ukraine zu einem zentralen Medium der Resilienz geworden ist. Anhand ausgewählter Werke von Mar’jana Savka, Halyna Kruk, Vasyl' Machno und Viktorija Amelina analysierte sie, wie lyrische Texte zwei Arten von Handlungsfähigkeit – praktische und semiotische Agency – inszenieren, die Fähigkeit, eigene Gefühle und Intentionen zum Ausdruck zu bringen (voice) stärken und durch formale Mittel wie Intertextualität oder Sprachwechsel dekoloniale Strategien sichtbar machen.
Ein anschauliches Beispiel hierfür bot auch die Künstlerin Dina Čmuž aus Charkiw, die Gedichte auf Sperrholzplatten zerstörter Häuser schreibt und damit Poesie in den öffentlichen Raum und in den Alltag der Menschen bringt. Donska betonte zudem die Bedeutung poetischer Praktiken im Alltag: In qualitativen Interviews berichteten Befragte, wie das Rezitieren von Gedichten in Krisensituationen Trost und Resilienz stiften kann.
Der Vortrag führte zu einer anregenden Diskussion mit internationalen Fachkolleg*innen.
Solidarität für Studierende, Forschung und Lehre: „Voices of Resilience“ bei der Demonstration gegen Budgetkürzungen in Österreich
Auch die Mitarbeiterinnen des Projekts „Voices of Resilience“ haben am 28. Mai an der Demonstration gegen die geplanten Budgetkürzungen im österreichischen Universitätssystem teilgenommen. Gemeinsam mit tausenden Studierenden, Forschenden und Beschäftigten aller steirischen Universitäten haben wir auf die gravierenden Folgen für Forschung, Lehre und den Wissenschaftsstandort aufmerksam gemacht.
Mit „Voices of Resilience“ möchten wir einen wesentlichen Beitrag zur Sichtbarmachung und zur Bedeutung slawischer Literaturen im Kontext von Widerstand und Resilienz leisten.